Helmut Oberer, dessen Erfahrungsbereich vom Nachrichtenbeitrag bis zum Feature reicht,
weiß, worauf es beim Dreh ankommt: "Es geht darum, Stimmungen einzufangen und eine bestimmte
Atmosphäre zu erzeugen." Grundvoraussetzung hierzu ist für ihn die Neugierde, mit der man
Drehorten und Themen entgegentreten muss. Der Umgang mit den Geräten, vor allem mit den
High-Tech-Kameras, ist notwendige Routine, die gelernt sein will und technisches Verständnis
erfordert.
Wir sind vor allem mit Tagesgeschäften
betraut. Meist bekomme ich einen Tag vor dem Dreh von einem Redakteur mitgeteilt, welches
Thema angegangen wird. Die Zusammenarbeit mit dem Redakteur, der das betreffende Thema
recherchiert, Termine mit den Gesprächspartnern vereinbart und sich überlegt, wie der
Beitrag aufgezogen werden soll, muss stimmen. Abhängig davon, wie aufwändig der Beitrag
gestaltet werden soll, dauern die Gespräche über den Ablauf. "Wenn wir nur einen kurzen
Nachrichtenbeitrag drehen, gibt es nicht viel zu besprechen". "Das ist
Routinearbeit."
Bevor der Kameramann am Drehort anlangt, sollte er schon eine gewisse Vorstellung haben,
wie er das Thema angehen will. "Generell muss ich mir immer überlegen: Was will ich erreichen?
Wen will ich in welches Licht stellen? Was soll mitgeteilt werden und mit welchem Aufwand?". Sind diese Fragen abgeklärt, kann es losgehen. Der
Kameramann macht sich Gedanken darüber, welche Technik benötigt wird, das heißt, er entscheidet
darüber, welche Lichtausrüstung und welche Objektive eingepackt werden. Unterstützt wird er dabei
meist von einem Helfer, einem Kamera-Assistenten, der durch diese Erfahrungen selbst Sicherheit
im Umgang mit den technischen Raffinessen bekommt.
Am Drehort ist es die Aufgabe des
Kameramanns, nach Motiven zu forschen, Bilder zu finden, die zu dem jeweiligen
Thema passen, immer mit dem Hintergedanken, dass ein Beitrag eine filmische
Einheit bilden muss. Der Einsatz des Lichtes und die Kameraführung sind dabei
die gestalterischen Elemente. "Ich kann in jeden kahlen Raum Stimmung zaubern.
Das hängt nur vom Licht ab. Ich kann eine Szene blau oder orange einfärben, und
schon habe ich ein völlig anderes Ergebnis. Die Möglichkeiten sind sehr
vielfältig. Daher muss ich mich meist spontan für eine Darstellungsform
entscheiden".
Neben der Bild- ist auch die Tonqualität von Bedeutung. Gerade bei Außenaufnahmen wird deshalb
meist noch ein zusätzlicher Helfer benötigt, der sich um den Aussenton kümmert. Das kleine Team
bleibt Helmut Oberer zufolge, trotz Rationalisierungsbestrebungen, bestehen: "Zwar gibt es
mittlerweile ein paar Kollegen, die alle diese Aufgaben, von der Recherche, über die Kamera,
bis zum Ton alleine bewältigen, aber die Regel wird doch ein Team bleiben, in welchem sich jede
Einzelperson adäquat mit seinem Bereich beschäftigen kann."
"Rechts sind ein paar Programme
angeführt die wir für den Schnitt unserer Filme verwenden."
Freier als mancher Filmkameramann, der unter starkem Kostendruck und abhängig von den teils sehr
genauen Vorstellungen eines Regisseurs und einem vorgegebenen Drehbuch abhängt, können
wir unsere Ideen umsetzen. Obwohl ich ein sehr ambitionierter Kameramann bin und
meinen Beruf
mit Leidenschaft ausübe, verschweige ich die kleinen Nachteile meines Berufes
nicht. "Der Arbeitsalltag ist nicht so geregelt wie bei anderen. Zwar sollte
jedes dritte Wochenende frei sein, aber wirklich garantieren kann einem das
niemand. Wir arbeiten auch Kurzschichten oder brauchen an einem Tag etwas
länger. Wenn ich in Graz ein Interview filmen muss und dann auf dem Heimweg im
Stau stehe, bleibt das Essen schon mal ein paar Stunden länger stehen. Man muss
wirklich gern unterwegs sein, und die Familie muss viel Verständnis aufbringen".
Die unregelmäßigen Arbeitszeiten und die früher noch größere physische Belastung - das Equipment
ist sehr schwer - sind vielleicht auch der Grund, weshalb nur sehr wenige Frauen in diesem Beruf
anzutreffen sind. Ein Umstand den wir bedauern, der sich unserer Meinung aber längerfristig
ändern wird. Vor allem in der Studioproduktion finden sich jetzt schon immer mehr junge Kolleginnen.
Typisch... Kameraleute setzen eine Geschichte oder ein Ereignis filmisch um. Kameraführung und Lichtsetzung
sind dabei die gestalterischen Möglichkeiten, um die erwünschten Stimmungen, Aussagen und
ästhetischen Wirkungen zu erzeugen.
Wo und wie ausbilden? Die Einstiegsmöglichkeiten in den Beruf Kameramann/-frau sind unterschiedlich. Als Vorstufe
empfiehlt sich beispielsweise eine Ausbildung als Fotograf/in oder als Mediengestalter/in Bild
und Ton. Darüber hinaus bewährt sich auch eine mehrjährige Mitarbeit bei Kamerateams. Dort sind
die angehenden Kameraleute zuerst als Materialassistenten, später als 1. und 2. Kameraassistenten
und am Ende als Operator (Schwenker) tätig. "Der Weg über die Assistenz ist unvermeidlich. Niemand
wird sofort vom Fleck weg als Kameramann eingestellt, auch nicht nach einem abgeschlossenen Studium".
"Hardware die wir zum Teil in Verwendung haben."
Wo gibt's Jobs?
Generell ist zwischen zwei unterschiedlichen Erwerbsformen zu unterscheiden. Kameraleute können freiberuflich
tätig sein, das heißt, sie gehen einer wechselnden und zeitlich begrenzten Beschäftigung
bei freien Film-, Fernseh- und Videoproduktionen im In- und Ausland nach. Die Aufstiegsmöglichkeiten
sind dabei unbegrenzt und Spitzenpositionen werden überwiegend auf dem freien Markt gehandelt.
Die größere Unabhängigkeit müssen Freiberufler jedoch mit einem gesteigerten wirtschaftlichen
Risiko bezahlen, da ihr Einkommen von Angebot und Nachfrage abhängt und die Arbeitsbedingungen
in der Praxis weitgehend ungeregelt sind. Eine Zwischenform ist die freie Mitarbeit bei Redaktionen
öffentlicher und privater Fernsehanstalten.
Die Alternative dazu sind Festanstellungen bei Rundfunk- und Fernsehanstalten oder bei privaten
Produktionsgesellschaften. Helmut Oberer will zwar nicht das Orakel von Delphi spielen, aber
für ihn führt der Trend dahin, dass die Festangestellten aussterben: "Auf dem Markt tummeln sich
immer mehr freie Mitarbeiter, die nach längerer Zusammenarbeit, beispielsweise mit einer
Fernsehanstalt, auch gewisse arbeitsrechtliche Zusicherungen bekommen. Die brauchen dann auch
keine Ausrüstung, sondern stellen nur ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Gebraucht werden
Kameraleute aber mehr den je, das ist keine Frage."
Wo gibt's Infos? Celebration Video Helmut Oberer +43 69911724969